Nordwest Sonntagsblatt

11. April 2021 Seite 13 Hannover. (gms) Mit unangenehmen Waden- krämpfen haben die meisten Menschen schon unliebsame Be- kanntschaft gemacht. Ob durch sportliche Überlastung, schnelle Temperaturwechsel oder einen unausgewo- genen Mineralstoff- haushalt ausgelöst: Bei einem Waden- krampf ziehen sich die Muskelstränge schmerzhaft und krampfartig zusammen und verhärten. Der Krampf kann wenige Sekunden, aber auch mehrere Minuten dau- ern. Mittel der ersten Wahl bei Wadenkrämp- fen ist Magnesium, weiß die Apothekerkammer Niedersachsen. Betrof- fene sollten sich in der Apotheke vor Ort zum richtigen Präparat in der passenden Dosie- rung beraten lassen. Die Apotheker zeigen Wadenkrampf-Geplag- ten den Nutzen, aber auch die Grenzen der Selbstmedikation auf. So sollten Betroffene hellhörig werden, wenn die Wade ständig krampft – das kann ein Warnsignal für eine ernsthafte Erkrankung sein. Wadenkrämpfe: viel- fältige Ursachen Auch wenn nicht ganz genau erwiesen ist, warum Wadenkrämpfe auftreten: Ein Magnesiummangel gilt als häufigste Ursache. Oft sind ältere Menschen betroffen, die Arzneimit- tel, die den Mineralstoff- haushalt beeinflussen, ein- nehmen. Doch auch Jüngere, die einen erhöhten Magne- siumbedarf haben, kennen Wadenkrämpfe aus eige- ner schmerzhafter Erfah- rung. Dazu zählen zum Bei- spiel Schwangere, Men- schen mit erhöhtem Stresspegel, Sportler, kör- perlich Arbeitende und al- le, die sich einseitig ernäh- ren. Doch auch Alkohol- kranke oder Diabetiker zählen zum Kreis derjeni- gen, die vermehrt mit den unangenehmen Krämpfen in der Wade zu tun haben. Gute Beratung in der Apotheke nutzen Magnesium bleibt das Mittel der ersten Wahl, wenn es umWadenkrämpfe geht. Betroffene können gut darauf zurückgreifen, denn das Nebenwirkungs- profil ist unbedenklich. Eine Beratung ist dennoch sinnvoll: Überdosiert kann Magnesium zum Beispiel Durchfall auslösen, unter- dosiert hilft das Mineral nicht. Außerdem gibt es auch unterschiedliche Magnesiumsalze und Dar- reichungsformen. Im Bera- tungsgespräch erfragt der Arzneimittelexperte die in- dividuellen Lebensum- stände des Patienten und überprüft bereits einge- nommene Medikamente, die Einfluss auf den Mine- ralstoffhaushalt haben. Dazu zählen unter ande- rem bestimmte Blutdruck- mittel, Asthmasprays oder Entwässerungsmittel. Tre- ten die Krämpfe infolge chronisch venöser Insuffi- zienz auf, kann die innerli- che Anwendung eines Ex- traktes aus rotemWeinlaub oder eines Rosskastanien- samenextraktes helfen. Auch Kompressions- strümpfe können in diesen Fällen bei Wadenkrämp- fen zum Einsatz kommen. Bei stärkeren Beschwer- den kann auch über den Arzt ein verschreibungs- pflichtiges Medikament verordnet werden, dessen Nutzen-Risiko aber im Einzelfall ärztlich abge- wogen werden muss. Wechselwirkungen vermeiden Bei der neuen Einnah- me von Magnesiumpräpa- raten sollte in der Apothe- ke besprochen werden, ob es zu Wechselwirkungen mit anderen eingenomme- nen Arzneimitteln kom- men kann. So wird bei- spielsweise durch Magne- siumsalze die Resorption und damit die Wirksam- keit von Schilddrüsenhor- monen gehemmt. Das gilt auch für bestimmte Anti- biotika wie Doxycyclin und Ciprofloxacin. Je nach Zusammensetzung des Magnesiumsalzes kann auch die Aufnahme von Eisen beeinträchtigt wer- den. Im Beratungsge- spräch kann der Apothe- ker festlegen, in welchem zeitlichen Abstand das Magnesium zu bestimmten Präparaten eingenommen werden sollte, um Wech- selwirkungen zu vermei- den. Hilfe zur schnellen Selbsthilfe Wird man nachts un- sanft aus dem Schlaf ge- rissen oder tagsüber plötz- lich von einem Waden- krampf schmerzhaft über- rascht, schafft das Gegen- dehnen der betroffenen Wade sofortige Erleichte- rung. Dazu werden die Ze- hen mit Hilfe der Hände, eines Tuches oder eines Gürtels Richtung Körper gezogen. Auch das Umher- gehen, eine leichte Massa- ge, warmes Abduschen oder das Auflegen feucht- warmer Tücher wirken lindernd. Sportlich ins Frühjahr Wer in der wärmeren Jahreszeit sportlich draußen durchstarten möchte, sollte es maßvoll angehen. Übertriebener Ehrgeiz und eine plötzli- che Überlastung können schmerzhafte Waden- krämpfe auslösen. Bevor Sport getrieben wird, sollte die Muskula- tur außerdem immer auf- gewärmt und nachher ge- dehnt werden. Doch auch unterforder- te Muskeln und daraus re- sultierende Muskelverkür- zungen können zu nächtli- chen Wadenkrämpfen füh- ren, daher ist Bewegung – ob moderat oder sportlich – immer empfehlenswert. Ob Sportler oder nicht: Grundsätzlich sollte man immer auf eine ausrei- chende Trinkmenge – Saftschorlen im Verhältnis Eins zu Zwei und natrium- armes Mineralwasser – achten und Alkohol nur in Maßen genießen. Nicht- Sportler sollten Salz redu- ziert einsetzen. Ernsthafte Erkrankun- gen selten die Ursache Nur in wenigen Fällen weisen Wadenkrämpfe auf eine Erkrankung hin, doch ein andauernder Krampf sollte als Warnsignal ver- standen und ein Arzt auf- gesucht werden. Mögliche Auslöser können nämlich auch Wechsel- und Neben- wirkungen von Medika- menten, eine Stoffwech- selerkrankung wie Diabe- tes, eine zentrale Störung der Motorik oder Durch- blutungsstörungen sein. Beim Arzt wird der Ursache durch Blut- untersuchungen und eine neurologische Diagnostik auf den Grund gegangen. Der Apothekerkam- mer Niedersachsen ge- hören rund 7.800 Mit- glieder an. Der Apothe- ker ist ein fachlich un- abhängiger Heilberuf- ler. Der Gesetzgeber hat den selbstständigen Apothekern die sichere und flächendeckende Versorgung der Bevöl- kerung mit Arzneimit- teln übertragen. Der Be- ruf erfordert ein vier- jähriges Pharmaziestu- dium an einer Universi- tät und ein praktisches Jahr. Dabei erwirbt der Studierende Kenntnisse in pharmazeutischer Chemie und Biologie, Technologie, Pharma- kologie, Toxikologie und Klinische Pharma- zie. Nach dem Staats- examen erhält er eine Approbation. Nur mit dieser staatlichen Zu- lassung kann er eine öf- fentliche Apotheke füh- ren. Als Spezialist für Gesundheit und Prä- vention berät der Apo- theker seriös und unab- hängig. Er begleitet den Patienten fachlich, unterstützt ihn mensch- lich und hilft ihm so, seine Therapie imAlltag umzusetzen. Schmerzhaft, aber meist unbedenklich Wadenkrämpfe: Was Betroffene wissen sollten

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