Nordwest Sonntagsblatt

12. Dezember 2021 Seite 17 Bremen. (NWS) In den letzten zehn Jahren verzeichnete der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) ein Umsatzwachstum von deutlich über 35 Prozent, auch das vergangene Jahr 2020 bestätigt mit einem Jahresumsatz von ca. 190 Mrd. Euro das stetige Wachstum. Grund genug sich die expansionsfreudige Branche und deren Zukunftsperspektiven einmal genauer anzuschauen. Lieferangebote trotz steigender Bedeutung keine Konkurrenz Nach einer aktuellen Studie des EHI Real Estate Institut von 2021 sind derzeit mehr als 50 verschiedene 24/7-StoresFormate auf dem Einzelhandelsmarkt verbreitet und werden mitunter noch getestet. Zu diesen Formaten gehören Selfscanning-Konzepte, Automatenläden oder hybride Konzepte, die nur in Teilen mit Personal bedient werden. Gleichermaßen gewinnen die Angebote der Lieferdienste etablierter Anbieter wie beispielsweise von EDEKA und REWE in ländlicheren aber auch allen zentralen Lagen an Bedeutung. Ebenso die auf Schnelligkeit getrimmten LEH-Lieferdienstformate wie Gorillas, Flinck etc. – allerdings können diese innovativen und neuen Konzepte aus heutiger Sicht nur in stark verdichteten urbanen Räumen oder auch Nischen funktionieren. „Eine Konkurrenz zu einem vollwertigen stationären LEH-Standort stellen die Formate aufgrund der begrenzten Zustelllogistik in Bezug auf das limitierte Gewicht sowie der teils notwendigen Kühlkette aktuell aber nicht dar“, sagt Uwe Trocha, Handelsimmobilienberater bei der Robert C. Spies Unternehmensgruppe. Die Logistikkosten sind durch geringe Margen im LEH zudem nur annähernd gedeckt. „Dennoch registrieren wir vermehrt Anfragen für Mietflächen, was dazu passt, dass der Marktanteil der LEH-Schnelllieferdienste sichtbar und kontinuierlich wächst.“ Im Zusammenhang der Lieferdienstmöglichkeiten vollzieht sich auch die Entwicklung der temperaturgeführten Logistik, der Kühl- und Tiefkühllogistik, einer unterschätzten Dynamik und erfordert grundsätzlich ein hohes und spezielles Expertenwissen. „Diese Tendenzen werden in der Zukunft allerdings keinen wirklichen Einfluss auf die Entwicklung der Renditen auf dem Investmentmarkt für Einzelhandelsimmobilien haben“, glaubt Uwe Trocha. Spürbar gestiegene Nachfrage seitens der Investoren Der steigende Boom des Onlinehandel im LEH ist sicherlich auch auf die Corona-Pandemie zurückzuführen, wird aber möglicherweise mittelfristig maximal 5 Prozent des gesamten LEH-Umsatzes in Deutschland erzielen können und deshalb keinen signifikanten Einfluss auf den stationären Einzelhandel haben. So bleibt der deutsche Investmentmarkt für Handelsimmobilien, insbesondere für lebensmittelgeankerte Immobilien, nach wie vor auch für internationale Investoren extrem attraktiv. „Wir spüren eine deutlich gestiegene Nachfrage seitens der Investoren“, berichtet der Investmentexperte für Handelsimmobilien und ergänzt: „Allerdings ist dieser Run wirklich nur im LEH-Bereich und bei den LEH-geankerten Fachmarktzentren spürbar, im Bereich von Shopping-Centern oder Highstreetimmobilien ist die Nachfrage hingegen selektiv.“ Die das Angebot übersteigende Nachfrage beläuft sich hier derzeit auf ein Volumen von ca. 4,0 Mrd. EUR. Differenzierte Entwicklung der Renditen Die hohe Nachfrage führt zu einer aktuell starken Positionierung der Assetklassen. Gerade während der Corona-Pandemie zeigt sich eine hohe Resilienz dieser Assetklasse, welche folglich ein Garant für ein Investment mit geringem Risiko darstellt. Die Renditen seien in den Teilmärkten aber stark zu differenzieren. Die B- und C-Märkte zeigen im Wesentlichen eine Seitwärtsbewegung. „Hier verzeichnen wir nur vereinzelt Steigerungen in den Verkaufsfaktoren“, so der Immobilienexperte. Die TOP-Lagen in den AStädten weisen hingegen eine differenzierte Renditekompression auf, wobei insbesondere Portfolios unterschiedliche Aufschläge und somit auch Renditeeinbußen verzeichnen. „Hintergrund ist, dass auch neue Investoren auf dem Markt aktiv sind, die nicht nur auf eine hohe Rendite aus sind“, registriert Trocha. Renditen von Faktoren in einer Höhe von 30-fach und mehr sind hingegen die absolute Ausnahme in ausnahmslos sehr selektiven Spitzenlagen der TOP-5-Städte mit 15- bis 20-jährigen Mietvertragslaufzeiten der marktführenden LEH-Betreiber – und stellen dabei keinen zukünftigen Trend dar. „Insgesamt sind und bleiben Lebensmittelmärkte vergleichsweise sehr sichere Anlageobjekte mit attraktiven Anfangsrenditen bei einem äußert stabilen Cashflow“, resümiert der Immobilienspezialist. Lieferangebote aktuell keine Konkurrenz zum stationären Lebensmitteleinzelhandel Historischer Umbruch: Deutscher Lebensmitteleinzelhandelsmarkt im Wandel Niedersachsen. (NWS) Im Rahmen der Mitgliederversammlung der IHK Niedersachsen (IHKN) diskutierten die Präsidenten und Hauptgeschäftsführer der niedersächsischen Industrie- und Handelskammern mit Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies über die Zukunft der Energieversorgung. Sorge bereitet der Wirtschaft vor allem, dass sich die Politik auf Landes-, Bundes-, und EU-Ebene seit einigen Jahren gegenseitig mit ambitionierten Klimazielen und Ausstiegspfaden überbietet, die Kompensation der wegfallenden Leistung jedoch noch keineswegs gesichert ist. Mit dem „Faktenpapier Energiewende- und Klimawende“ haben die Kammern die politische Beschlusslage auf ihre Auswirkungen hin geprüft. „Mit dem Faktenpapier möchten wir wertfrei darstellen, welche Mengen an gesicherter Leistung in den kommenden Jahren abgeschaltet werden und welch große Herausforderung es sein wird, diese zu kompensieren, um weiter die Versorgungssicherheit unserer Wirtschaft gewährleisten zu können“, so IHKN-Präsident Uwe Goebel, bei der Übergabe des Faktenpapiers an Minister Lies. Das Faktenpapier sei bewusst nicht als Positionierung oder Stellungnahme zu dem einen oder anderen Energieträger erarbeitet worden, es solle lediglich die unbedingte Notwendigkeit aufzeigen, dass Energie, die dem Markt entnommen wird, bei gleichem – tendenziell eher steigenden Verbrauch – adäquat ersetzt werden müsse. So machte Hartmut Neumann, Sprecher Federführung Energie der IHKN, bei der inhaltlichen Vorstellung der Analyse deutlich, dass die Wettbewerbsfähigkeit der niedersächsischen Wirtschaft bei allen energiepolitischen Entscheidungen immer mitgedacht werden müsse. Insbesondere die Volatilität der Erneuerbaren Energien (EE) erfordere es, dass die installierte Nennleistung der EE im Vergleich zu Kernkraft und fossiler Energie damit sogar weit höher ausfallen müsse. „Dieses Papier ist eine hervorragende Grundlage. Basierend auf aktuellen Zahlen beschreibt es ein konkretes Bild vom Ist-Stand der Energiewende und ihrer Auswirkungen. Die Niedersächsische Wirtschaft braucht einen beschleunigten Ausbau L von Windenergie und Photovoltaik bei gleichzeitiger Planungssicherheit. Die Kapazitäten an erneuerbaren Energien werden dann zu einem enorm wichtigen Standortfaktor für das Land Niedersachsen. Denn die Industrie folgt immer der Energie“, so Klima- und Energieminister Olaf Lies. „Es soll aber nicht bei diesem Papier bleiben. Es ist für mich vielmehr die Grundlage auch für den weiteren Austausch mit unseren Partnern von der IHKN. Gemeinsam geht es um das Ziel, dass aus den großen Chancen für unser Land auch tatsächlich neue, gute Industriearbeitsplätze und reale Wirtschaftskraft wachsen.“ Das „Faktenpapier Energie- und Klimawende“ ist unter www.ihk-n.de/faktenpapier abrufbar. Industrie folgt immer der Energie IHKN übergibt „Faktenpapier Energieund Klimawende“ an Umweltminister Lies Foto: IHK

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